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Zur Lumineszenz

Der Begriff „Lumineszenz” bezeichnet das Aussenden von Licht (lat. lumen) durch einen Stoff ohne eine gleichzeitige Temperaturerhöhung, ein kaltes  Leuchten sozusagen. Viele lumineszierende Materialien sind bekannt und es gibt viele Möglichkeiten, um Lumineszenz zu erzeugen. Am bekanntesten ist die Anregung der Lumineszenz mit Licht. Dabei kann das Leuchten nach dem Abschalten des Anregungslichtes entweder sofort erlöschen (sogenannte „Fluoreszenz“) oder noch einige Zeit (von Sekunden über Minuten bis zu Stunden) im Dunkeln nachleuchten (sogenannte „Phosphoreszenz“).
 
Leuchtende Lebewesen, die sog. „Biolumineszenz“ produzieren, haben etwas Magisches an sich, ganz egal ob es sich nun um Leuchtkäfer, Tiefseefische oder andere Meeresorganismen handelt. Hier ist das Leuchten, das biochemischen Prozessen entspringt, unmittelbar mit dem Leben verknüpft. Die Funktionen des Leuchtens sind dabei vielfältig:  Es dient unter anderem dem Anlocken des Partners oder der Beute, der Kommunikation, der Abschreckung, zur Warnung, zur Tarnung oder der Beleuchtung an sich.
Beim Gedanken an einen leuchtenden Menschen wird es aber schon schwieriger. Handelt es sich dabei um einen spirituell erleuchteten Menschen, der sprichwörtlich leuchtet oder eine Aura aufweist? Handelt es sich um einen radioaktiv verseuchten Menschen, der einem Reaktorunfall oder Atombombentest entkommen ist? Oder handelt es sich um einen genetisch modifizierten Menschen oder gar um genetische Kunst? Letzteres liegt durch die neuen Techniken der Genmanipulation schon sehr nahe und harrt praktisch nur mehr der Umsetzung, denn fluoreszierende Fische, Mäuse, Kaninchen, Schweine und Affen wurden so schon hergestellt. Die sogenannte „Synthetische Biologie“ lässt in nächster Zukunft sogar biolumineszente Tiere erwarten.
Die Lumineszenz von phosphoreszierenden Materialien verblasst nach dem Ausschalten des Lichtes mit der Zeit. Sie wird so auch zu einem Symbol für die Vergänglichkeit. Es bedarf wiederum des Lichtes, um sie erneut zum Leuchten zu bringen. Auch erleuchtete Menschen müssen sich (nach buddhistischer Lehre) immer wieder neu um die Erleuchtung bemühen. Das Holz, das im dunklen Wald leuchtet, befindet sich im Zustand der Zersetzung, es ist vom Pilz befallen.
Was der Mensch mit den leuchtenden Materialien macht, ist zunächst nicht viel anders als in der restlichen Tierwelt. Er nutzt sie als Signale, Markierungen, Warnungen, Köder oder zur (Not)-Beleuchtung. Aber er kann damit auch bewusst Dinge sichtbar machen und hervorheben. Und er kann noch etwas sehr Wesentliches mehr: er kann damit auch spielen!
 
Dabei reizen Fluoreszenz und Phosphoreszenz vor allem zu einem Spiel mit den optischen Sinnen. Eine Besonderheit dieser Arten von Lumineszenz liegt nämlich darin, dass die Farben des zur Anregung verwendeten Lichtes und die des ausgestrahlten Lichtes nicht identisch sind. Beispielsweise kann eine Anregung mit blauem oder ultraviolettem Licht (je nach Pigment oder Farbstoff) zu einer Lumineszenz in den Farben  Blaugrün, Grün oder Rot führen, und dies, obwohl die bestrahlten Materialien eigentlich eine andere Eigenfarbe aufweisen. In Kombination mit der unterschiedlichen Leuchtdauer der Materialien und mit verschiedenen Anregungs-Lichtquellen unterscheidlicher Lichtfarbe eröffnet sich damit eine breite poetische Spielwiese für unsere Sinneswahrnehmung.
 

Lumen luminis II

Lumen luminis I