Home > Kunst > Zur Arbeit > Farbe

Die Farbe in meinem Leben

Bunte Bausteine, das Färben von Ostereiern, geschmückte Weihnachtsbäume mit Spritzkerzen und Blumenwiesen rund ums Haus sind ein paar farbige Erinnerungen aus meiner Kindheit. In der Schulzeit gab es unzählige gelesene Comics, bunte Briefmarkensammlungen und später dann die ersten „richtigen“ Malsachen. Während meines Chemie-Studiums begeisterten mich vor allem die Farbstoffe, Pigmente, Farbreaktionen, das Leuchten, Fluoreszieren und Phosphoreszieren. Deshalb habe ich diese Gebiete dann später auch gleich zum Thema meiner wissenschaftlichen Arbeit gemacht und versucht, die Farbe, das Leuchten und deren Veränderungen zu messen und damit an sich Farbloses sichtbar zu machen. Und seit Jahrzehnten schon ist Farbe nun ein zentrales Thema in meiner künstlerischen Tätigkeit. Eine Ahnung von Farbe in meinem Inneren in ein äußeres Bild umzuwandeln und so auch für andere sichtbar werden zu lassen, ist faszinierend. Das tiefe Gefühl, wenn dieses innere und das äußere Bild annähernd zur Deckung gebracht werden können. Das Staunen darüber, wenn die Farbe zu leuchten und zu vibrieren beginnt, ja zu leben scheint.


Denn Farbe ist Leben, ist Licht. Sie braucht das lebendige Auge, um wahrgenommen zu werden. Ohne uns Menschen gäbe es „unsere Farben“ nicht, da die Farben an sich ja nicht existieren, sondern erst im Gehirn des Betrachters entstehen. Dass viele Tiere auch Farben sehen können, ist wohl unumstritten, denn nicht umsonst äußert sich das Leben in den prächtigen Farben der Blumen, Schmetterlinge, Vögel und Fische. Doch welche Farben sie wahrnehmen, das wird wohl ein Geheimnis bleiben. Dem Menschen bleibt inzwischen nur, zu staunen beim Anblick der Natur und selbst etwas Farbe in sein Leben zu bringen … und vielleicht ein Bild zu malen.

 

Wolfgang Trettnak